An deutschen Spesen soll der Euro genesen

Beobachtet von LUTZ  IRGEL 1)

Die Deutschen waren schon die strammsten Euro-“payer“ als die Union hierzulande noch EWG abgekürzt wurde und 6 Mitgliedsstaaten umfasste.

EINER WIRD GEWINNEN zog die Nation seinerzeit in den unterhaltsamen Fernsehbann. Längst hat Europa numerisch seine Segel aufgebläht und kreuzt in schwerer See. “Mann über Bord“ oder gar Havarie gilt es zu meiden auf dem kapitänslosen Mutterschiff.

Keiner wird gewinnen – aber verlieren! Deutschland trägt die ärgsten Lasten, verständlich als das stärkste EU-Wirtschaftsmitglied. Dass wir indes begeifert werden, wenn wir feststellen, die Griechen würden fiskalisch zumindest unorthodox gehandelt haben, indem sie z.B. staatlicherseits ad libitum Renten an längst Verblichene auskehren, darf erstaunen.

Aber was macroökonomisch bemerkenswert erscheint, findet microökonomisch durchaus seine Parallelen: So verlangt die REWE in Österreich von seinen Lieferanten eine Kennzeichnung aller Produkte, aus der die Konsumenten auf Anhieb erkennen können, in welchem Maße sich diese aus dem Alpenland rekrutieren: A + A = 100 % Österreich; A = mind. 50 % Wertschöpfungsanteil.

Die deutsche COLLO GmbH ist seit 50 Jahren in den Märkten der REWE Austria vertreten und sieht sich jetzt mit ihrer A-Ware A-los decouvriert. Andererseits integrieren Russen in ihre landsmännischen COLLO-Etiketten bewußt die deutschen Nationalfarben, um Qualität visualisierend zu “hissen“.

In dem auch Nicht-EU-Land Schweiz zeigt man sich sehr bemüht, den großen deutschen Markt zu bedienen, jedoch eher zugeknöpft, wenn es um faire Chancen in eidgenössischen Regalen geht. Der COLLO-Chef machte Hansueli  Loosli, den Vorsitzenden der milliardenumsatzstarken COOP, auf Nestlé-Aktivitäten in Deutschland aufmerksam und fragte an, ob es Entscheidungen gäbe, Produkte von jenseits der Grenze zu meiden, was nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine politische Bedeutung habe. Fortan öffneten sich die Pforten zu sortimentsübergreifendem Dialog.

Unvoreingenommenes Handeln kann (auch alpine) Berge versetzen im Sinne der den Menschen dienenden Globalisierung.

1) Lutz Irgels Buch “Mahlgut Mittelstand“ ist jetzt erschienen.

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