N a c h h a l t i g e s M o g e l n

Angezeigt von LUTZ IRGEL

Die Deutschen gelten weltweit als gründlich. Dieser Terminus reicht längst nicht mehr aus – ein anders lautender muß her: Nachhaltigkeit. Also wird auch nachhaltig gemogelt. Rückhaltlos. Nach allen Regeln der Kunst des Knauserns, des (arg-)listigen Rückhaltens von Kunden “gefühlter“ Inhalte:

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat’s jüngst dokumentiert. Insbesondere bei Knabbereien knausert’s in der Knister-Tüte. Sie behergen bis zu 90 % … Luft! Nun könnte man sich damit trösten, diese sei für die menschliche Existenz eher wichtiger als gaumenverwöhnendes Süßes. In Verkaufspackungen ist indes nicht ihre typische, angestammte Heimstatt. Wenn jemand als überflüssig empfunden wird, läßt der Volksmund hören, er sei “Luft“ für ihn. Aktuell legt man verpackte, verkaufte Luft in den Volksmund. Darunter seitens eines “süßen“ vierbuchstabigen kometennamigen Weltkonzerns, hinsichtlich dessen meiner COLLO der Geschäftsführer eines Milliarden-Umsatz-Lebensmittelhändlers stolz herausstellte, er wüßte nicht wohin mit Geld und sei deshalb freigiebig dem Handel gegenüber. Kein Wunder angesichts luftiger Kalkulation. Aber auch Handelskonzerne heben mit Eigenmarken luftig ab …

So ist man sich gern nachhaltig einig – Industrie und Handel. Vorausgesetzt, es lohne sich, mithin, wenn Groß & Groß kooperieren, kumpanieren. 3 Hersteller von Papptellern müssen Bußgeld zahlen, gegen 6 Porzellan-Produzenten besteht Anfangsverdacht auf untereinander unzulässig abgestimmtes Verhalten, weiß das Kartellamt, das von Henkel “uneigennützig“ über eigeninvolvierte Absprachen mit Reinigungsmittel-Konkurrenten informiert wurde. Nützlich. Henkel bleibt bußgeldfrei. Die Wettbewerber stehen am Pay-Pranger. Persil – das weißeste, das es je gab, inklusive weißer Weste. Der weiteren Beispiele gibt’s mannigfach.

Die Medien zitieren unisono mit den Kartellwächtern gern die auf der Hand liegende Erkenntnis, dass die Zeche der Verbraucher zu zahlen habe. Auf der Strecke bleiben indes auch häufig leistungsfähige, jedoch minderbemittelte (s.o.) Mittelstandsanbieter, denen Handelskonzerne ihre mangelnde Augenhöhe dreist um die Ohren schlagen. Mitunter rüpelhaft, ja herabschneidend, mobbend, verletzend. Und nachhaltig!

Andererseits berühmt sich vorzugsweise der Handel in jüngster Zeit der so genannten Nachhaltigkeit. REWE bedient sich dazu des ehemaligen Außenministers Joschka Fischer als Galionsfigur. Man könnte geneigt sein, dessen berühmt-berüchtigte Aussage: “Herr (Bundestags-)Präsident, Sie sind ein A-loch“ zu adaptieren, um auf “Augenhöhe“ Unmut zu artikulieren. Aber auch Nachhaltigkeit sollte ihre Grenzen haben …

 

PS.: REWE CEO Caparros läßt wissen, man würde mit Dohle (HIT Verbrauchermärkte) “auf der Basis gegenseitigen Vertrauens weiterhin eng zusammenarbeiten“. Obwohl Dohle bereits mit Konkurrent Edeka Vertrag fixiert hatte. Programmiertes Fremdgehen. Die Branchen-Postille Lebensmittel Zeitung ergänzt denn auch noch rührend: “Dohle bleibt REWE treu.“

Medien-Mogelei – auch mit üppig “Luft“!

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